Stadtumbau

Die Zukunft der Städte sichern

Plattenbautgebiet in Schwedt an der Oder Plattenbautgebiet in Schwedt an der Oder © Contextplan

Den Wohnungsleerstand bewältigen und den Umbau der Städte voranbringen. Dies ist nach wie vor eine große wohnungs- und stadtentwicklungspolitische Herausforderung des kommenden Jahrzehnts in Brandenburg.

Bevölkerungsrückgang

Der anhaltende Bevölkerungsrückgang führte in vielen Kommunen des äußeren Entwicklungsraums des Landes zu einem großen Anteil an Wohnungsleerstand. Viele Kommunen bekamen dadurch stadtstrukturelle Probleme, die Wohnungsunternehmen waren in ihrer Existenz bedroht. Insgesamt standen in Brandenburg 2002 rund 164.000 Wohnungen leer.

Größere Städte besonders betroffen

Besonders betroffen waren vor allem die Städte: in Städten und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern, die nur 10 Prozent aller brandenburgischen Gemeinden repräsentieren, befanden sich drei Viertel des Wohnungsleerstands. Die Ursachen lagen und liegen im Bevölkerungsrückgang, der im wesentlichen aus dem Geburtendefizit, arbeitsplatzbedingten Wanderungen und den Abwanderungen aus der Stadt ins Umland resultiert.

Wechsel der Stadtentwicklungspolitik

"Stadtumbau" bedeutete damit einen Wechsel der Stadtentwicklungspolitik. Gesteuert werden mussten nicht mehr Prozesse des Wachstums, sondern des Schrumpfens. Dabei musste die Struktur einer Stadt auf weniger Einwohner ausgerichtet werden und ihre Infrastruktur und Ausstattung musste entsprechend angepasst werden.

Stadtumbau als Chance verstehen

Unsanierter Plattenbau und Fachwerkgebäude in Schwedt an der OderStadtumbau als Chance © Stadtverwaltung Schwedt/Oder

Der Stadtumbau bot damit auch große Chancen: Quartiere konnten weiter aufgewertet, Bausünden der Vergangenheit beseitigt, die Infrastruktur weiter modernisiert oder die Freiraumqualitäten verbessert werden. Um zügig im Stadtumbau voranzukommen, mussten alle beteiligten lokalen Akteure und die Bevölkerung konstruktiv zusammenarbeiten. Die Kommunen mussten dabei die Steuerung übernehmen, um die unterschiedlichen Interessen 'unter einen Hut zu bringen'. Unverzichtbar waren verbindliche Abstimmungen mit den Wohnungsunternehmen, der Versorgungswirtschaft und den Trägern der sozialen Infrastruktur, die in gleicher Weise vom demografischen Wandel betroffen waren und sind.

Erfolge im Stadtumbau

Von 164.000 leer stehenden Wohnungen im Jahr 2002 wurden bis Ende 2012 ca. 58.000 Wohnungen rückgebaut. In den Stadtumbaustädten konnte der Wohnungsleerstand von 14,5 Prozent auf 9,2 Prozent (2011) gesenkt werden. Der Rückbau erfolgte nach dem Grundsatz von "Außen nach Innen". Die Aufwertung fand überwiegend in innerstädtischen Bereichen statt. Zudem wurde ein erheblicher Beitrag zur Konsolidierung von 43 ostdeutschen Wohnungsunternehmen geleistet, insbesondere mit Hilfe der Altschuldenhilfeentlastung. Insgesamt wurden den Brandenburger Wohnungsunternehmen rund 198 Millionen Euro Altschuldenentlastung zugesagt.

Stadtumbau mit neuen Akzenten

Zwei mehrstöckige Wohngebäude; dazwischen ein MüllfahrzeugStadtumbau weiter erforderlich © MIR

Das Programm Stadtumbau Ost wurde aufgrund der absehbaren weiteren Bevölkerungsverluste und des erwarteten Wiederanstiegs des Wohnungsleerstands mit einer Laufzeit von 2010 bis 2016 verlängert. Die Teilprogramme Abriss und Aufwertung laufen unverändert weiter, ebenso das in der 1. Programmphase eingeführte Teilprogramm „Rückbau städtischer Infrastruktur (RSI)“. Neu ist das Teilprogramm „Sanierung, Sicherung, Erwerb (SSE)“, mit dem die Sanierung von Altbauten ohne kommunalen Mitleistungsanteil gefördert werden kann. Mit dem "Dialog Stadtumbau" wurden gemeinsam Vorbereitungen für das neue Förderprogramm Stadtumbau Ost 2010 bis 2016 getroffen und 2013 eine Zwischenbilanz des Stadtumbaus gezogen.

Dialog Stadtumbau 

Stadtumbau gelingt nur, wenn alle an einem Strang ziehen: Stadt, Wohnungsunternehmen, Bewohner, aber auch örtliche Wirtschaft, Träger von Sozial- und Bildungseinrichtungen und Infrastrukturversorger.

Mit dem „Dialog Stadtumbau“ hat das Land gemeinsam mit Kommunen und Verbänden das Förderprogramm Stadtumbau Ost II vorbereitet. In einer Reihe von Veranstaltungen und Workshops wurden seit 2008 die Anforderungen an den zukünftigen Stadtumbau gemeinsam formuliert. Dieser Dialogprozess wird auf kommunaler Ebene fortgeführt.

Detailierte Informationen sind in der MIL-Publikation: Dialog Stadtumbau - Bilanz-Herausforderungen-Ausblick veröffentlicht worden (siehe Textbox Anlagen).

Von den bislang geförderten Maßnahmen gibt es eine Vielzahl, die als beispielgebend und nachahmenswert eingestuft werden können. Interessierten bietet das MIL mit dem Infopool Stadtentwicklung die Möglichkeit, diesen Fundus "guter Beispiele" zu nutzen und zugleich eigene oder in der Stadt realisierte Projekte mit Vorbildcharakter zur Aufnahme vorzuschlagen.

Weiterführende Beiträge:

  • Stadtumbau: Sonderprogramm für Klein- und Mittelstädte

    Lübbenau, Rückbau eines Plattenbaus © MIL

    Bevölkerungsrückgang und steigender Wohnungsleerstand sind Auswirkungen des demografischen Wandels, von denen Brandenburgs Klein- und Mittelstädte besonders stark betroffen sind. Das Land bietet Unterstützung in Form einer Sonderförderung an und stellt für den Rückbau leer stehender Wohnungen in 2014 bis zu acht Millionen Euro zur Verfügung.

  • Die zweite Etappe des Stadtumbaus (2010 bis 2016)

    Auftakt- und Fachkonferenz Stadtumbau Ost II 2010 durchgeführt

    Minister Vogelsänger in der Auftaktveranstaltung Auftakt mit Minister Vogelsänger © IRS

    Das MIL hat für die zweite Programmphase des Bund-Länder-Programms Stadtumbau Ost 2010 bis 2016 die teilnehmenden Stadtumbaustädte vorgestellt. Die Aufnahme ist für 22 Städte in diesem Jahr und für weitere sechs Städte in 2011 vorgesehen. Stadtumbau genießt weiterhin höchste Priorität.

  • Monitoring

    Ziele und Aufgaben

    Tastatur und Computermaus Analyse am Computer © MIR

    Monitoringsysteme etablieren sich zunehmend zur Beobachtung und zur Steuerung einer vorausschauenden und präventiven Stadtentwicklungspolitik. Das Land Brandenburg hat ein solches Monitoring zur Beobachtung und Steuerung des Programms "Stadtumbau Ost" eingeführt und fortentwickelt.

  • Bilanz eingesetzter Förderinstrumente

    Altschuldenhilfeverordnung und Förderprogramm Stadtumbau Ost (I)

    Detail eines Plattenbaus: Wohnungsleerstand in Frankfurt an der Oder Wohnungsleerstand in Frankfurt (Oder) © MIL

    Die ostdeutschen Landesregierungen und der Bund sind sich einig, das Förderprogramm Stadtumbau Ost fortzusetzen. Dieser breite Konsens basiert einerseits auf der absehbaren demografischen Entwicklung in Ostdeutschland sowie andererseits auf den Erfolgen des ersten Stadtumbau Ost Förderprogramms ("I")

Letzte Aktualisierung: 14.10.2015