Berliner Ring, BAB 10, Abschnitt Ludwigsfelde

Autobahnverbreiterung als stadtverträgliche Lösung

Bild zeigt die Luftaufnahme eines AutobahnkreuzesAutobahnkreuz © MIRDer südliche Berliner Ring verläuft durch die 23.000 Einwohner zählende Stadt Ludwigsfelde. Die Ausbaumaßnahme wurden in einem Entscheidungsprozess - einem so genannten „Planungswochenende" - zusammen mit den Bürgern von Ludwigsfelde diskutiert.

Diese aus dem städtischen Bereich entwickelte Methodik zur Einbeziehung von Bürgerwünschen wurde damit erstmalig auch bei dem Ausbau einer Autobahn angewendet. „Das Besondere dieses Verfahrens ist, dass hierbei Bürger gemeinsam mit Experten an jeweiligen Lösungen für ihre Stadt arbeiten. Die Betroffenen werden in den Planungsprozess einbezogen und sind dadurch auch an der Entscheidungsfindung beteiligt. Der Weg vom Problem zur Lösung wird transparent und damit nachvollziehbar."1
Eine solche Methode kann im besten Fall die Identifikation mit der Baumaßnahme und den durch sie ausgelösten Veränderungen schaffen. Als Diskussionsbasis für das Planungswochenende wurden die Ergebnisse einer Studie eingebracht, die von 1991 bis 1996 verschiedene Varianten der Autobahnführung im Abschnitt Ludwigsfelder Damm untersucht hatte. Dabei wurde das Aufständern der Autobahn als umsetzungsfähigste Lösung von allen Beteiligten angesehen.

Die Durchführung des Wochenendes wurde von einer örtlich agierenden, internationalen Investorengruppe unterstützt, die ein Londoner Architektenbüro mit der Leitung beauftragte. Die Abschlussveranstaltung erhielt besonders Gewicht durch die Teilnahme des britischen Thronfolgers Prince Charles. Täglich besuchten 500 bis 600 Bürger das Planungswochenende und brachten Ideen ein.
Ein wesentliches Ergebnis dieses Prozesses war die geplante bauliche Ausformung einer städtebaulichen Mitte am Schnittpunkt der Autobahntrasse.
Dieser Lösungsansatz sah ein Verschmelzen der Autobahn mit einem Hochbauprojekt vor. Unter dieser Zielstellung konnten technische Parameter der Brückengestaltung abgeleitet werden. Das betraf etwa die lichtdurchlässige Spreizung der Richtungsfahrbahnen, die Lage weiterer Durchlässe und Brücken und sogar die Lage der Brückenpfeilerfundamente, die tiefer gelegt wurden, um einen späteren Geländeabtrag zu ermöglichen.

In rund zwei Jahren Bauzeit, von September 1999 bis Dezember 2001, wurde die bestehende vierstreifige Strecke auf sechs Fahrstreifen erweitert. Es entstanden 4,7 Autobahnkilometer mit einem Gesamtbauvolumen von 40 Mio. €. Für Lärmschutz wurden 5,75 Mio. € aufgewendet. Auf einer Länge von insgesamt über 6 km im Stadtbereich sind bis zu 6 m hohe Lärmschutzwände gebaut worden. Schallschutzfenster vermindern bei den Häusern im Nahbereich der Autobahn die Lärmbelästigung für die Bewohner.

Zusätzlich gibt es auf der 330 m langen Brücke in Ludwigsfelde neben den beiden äußeren Lärmschutzwänden in der Mitte der Fahrbahn ein dritte Wand, die nochmals Schallreflexionen abfängt.

Neben der Brücke im Ortskern an der Potsdamer Straße entstanden sechs weitere Brücken und Durchlässe, die einen wesentlichen Beitrag zur Vernetzung der Stadt leisten. Für die Maßnahme wurde eine eigene Baustraße angelegt, um eine unabhängige Baulogistik zu gewährleisten. Diese Baustraße wurde nach der Maßnahme teil des innerstädtischen Straßennetzes.

Die hochbauliche Realisierung der neuen Stadtmitte ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht erfolgt. Die Stadt Ludwigsfelde favorisiert die Umsetzung der entwickelten Vision. Der Bereich unter dem Brückenbauwerk wurde teilweise befestigt, mit Skaterbahnen ausgestattet und für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Eine Großveranstaltung ist das jährliche Brückenfestival mit internationalen Musikern.

Fazit

Der Ausbau der Autobahn wurde hier zum Anlass genommen, ein städtebauliches Problem zu lösen. Dabei wurde durch ein ergebnisoffenes Gespräch mit den Betroffenen ein neuer Weg im Entscheidungsprozess beschritten. Die Vielzahl der privaten und öffentlichen Beteiligten an diesem Prozess sowie die nationalen und internationalen Planer haben den Diskussionsraum über bauliche Veränderungen erweitert und damit ein „Best-Practice-Beispiel" geschaffen.

 

1) - N.N.: Planungswochenende Ludwigsfelde, Unser Zentrum- unsere Zukunft. In: Horsham Properties Gmbh (Hrsg.), London 1996

Letzte Aktualisierung: 18.04.2017

Externe Links

Landesbetrieb Staßenwesen (LS)