Länderübergreifende Vergabe STB – Netz Stadtbahn

Vergabeverfahren "Netz Stadtbahn"

DB Regionalverkehr im Land Brandenburg Länderübergreifende Vergabe STB © Zentralbild Berliner Morgenpost

Unter  Federführung des Fachbereichs ÖPNV des MIL wurde das Vergabeverfahren „Netz Stadtbahn"  der Länder Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nunmehr abgeschlossen. Der DB Regio AG und der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) wurden die Zuschläge erteilt. Damit ist die bisher größte und von Fachwelt und Öffentlichkeit aufmerksam verfolgte Ausschreibung für den Betrieb von Nahverkehrsstrecken in Deutschland ohne Nachprüfungsverfahren erfolgreich beendet.

Im Ausschreibungsverfahren „Netz Stadtbahn" wurden 16 Regionalexpress- und Regionalbahnstrecken in vier Losen vergeben, wobei ausgeschlossen war, dass ein Bewerber alle Lose gewinnen konnte. Ausgeschrieben waren ca. 22 Millionen Zugkilometer mit einem Auftragsvolumen von insgesamt rd. 1,3 Milliarden Euro.

Die DB Regio AG erhielt den Zuschlag für die Lose 1 und 3. Damit wird sie weiterhin den Betrieb der Linien RE1, RE7, RE11, RB13, RB14, RB20, RB21, RB22, RB23 sowie des neuen Flughafenexpress RE9 sicherstellen.

Weiterhin übernimmt die DB Regio AG ab Dezember 2014 den Abschnitt Berlin-Lichtenberg - Eberswalde als RB24 - dies entspricht einem Linienast der heutigen OE60 der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH. Der Verkehrsvertrag mit DB Regio umfasst ein Leistungsvolumen von ca. 15 Mio. Zugkilometer pro Jahr.

Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) erhielt den Zuschlag für die Lose 2 und 4. Damit wird die ODEG die Linien RE2, RE4, RB33, RB35 und RB51 betreiben. Auf den Linien RE2 und RE4 übernimmt die ODEG den Betrieb von der DB Regio AG.

Der Verkehrsvertrag mit der ODEG umfasst ein Leistungsvolumen von ca. 7 Mio. Zugkilometer pro Jahr.

Die Betriebsaufnahme für die Regionalbahnlinien ist jeweils zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011, für die Regionalexpresslinien im Dezember 2012. Der Flughafenexpress RE9 startet schon mit der Eröffnung des neuen Flughafens BER im November 2011. Die Laufzeit der Verträge gilt bis Dezember 2022. Die Länder Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werden mit Abschluss der neuen Verkehrsverträge rund 55 Millionen Euro jährlich einsparen. Allein Brandenburg spart über 40 Millionen Euro pro Jahr.

Für die Fahrgäste bedeutet das künftig mehr Qualität durch modernere Fahrzeuge, mehr Sitzplätze und mehr Personal in den Zügen.

"Denn künftig wird in jedem Zug ein Kundenbetreuer mitfahren, an den sich die Fahrgäste wenden können. Weiter werden auf allen Linien neue oder modernisierte Fahrzeuge eingesetzt."

Für die Fahrgäste wird es unter anderem folgende Verbesserungen geben:

Auf der Linie RE1:

  • wird ab Dezember 2012 eine erhöhte Kapazität von 609 Sitzplätzen angeboten. Das sind ca. 50 Sitzplätze mehr als heute.
  • werden analog zu heute Lok-Doppelstockwagen-Züge eingesetzt. Diese verkehren mit deutlich leistungsfähigeren Lokomotiven. Eventuelle Verspätungen können so schneller ausgeglichen werden.
  • werden die derzeit eingesetzten klimatisierten Doppelstockwagen des Herstellers Bombardier im Innenraum komplett erneuert und modernisiert.

Auf allen anderen an die DB Regio vergebenen Linien:

  • werden ab Dezember 2011 einstöckige klimatisierte Elektrotriebzüge des Typs E-Talent 2 der Firma Bombardier eingesetzt. Diese Linien werden durch 3- oder 5-teilige Fahrzeuge bedient, die nach Bedarf auch in Doppeltraktion verkehren.
  • Auf der Linie RE7 wird das Angebot zwischen Belzig und Dessau werktags auf einen Stundentakt erweitert.
  • In den Regionalbahnlinien wird ein Catering mit Getränken und kleinen Snacks angeboten.

Auf den künftig von der ODEG betriebenen Linien RE2 und RE4:

  • werden erstmalig in Deutschland neue Flirt-Doppelstocktriebzüge des Herstellers Stadler Pankow eingesetzt.

Auf den Linien RB33 und RB51 (ODEG):

  • werden neue zweiteilige Diesel-Triebwagen vom Typ GTW 2/6 der Firma Stadler Pankow eingesetzt.
  • Diese Fahrzeuge besitzen eine Einstiegshöhe von 780 mm. Somit kann auf der Linie RB51 ab Dezember 2011 wieder ein niveaugleicher Einstieg vom Bahnsteig in die Fahrzeuge gewährleistet werden.

 

Fazit

Mit der Vergabe im Wettbewerb konnten, trotz der erheblichen Schwierigkeiten auf dem Kapitalmarkt, echte Wettbewerbspreise in allen Losen erzielt werden. Kostensenkend wirkte sich die Zulassung des Einsatzes der bewährten, vom Land zum Teil geförderten, Fahrzeuge mit neuer und verbesserter Innenausstattung und erleichtertem Zugang aus.

Dies führt zu einer deutlichen Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit.

Dieses Ergebnis wurde nicht zuletzt durch die konsequente Ausgestaltung der Ausschreibung als offenes, wettbewerbliches Verfahren erreicht, bei dem insbesondere das Element der Loslimitierung einen erheblichen Wettbewerbsdruck erzeugen konnte. Wettbewerbsverzerrende Elemente der bestehenden monopollastigen Marktstruktur konnten hierdurch weitgehend ausgeglichen werden.

Durch die Loslimitierung wurde darüber hinaus der Grundstein für einen langfristig intakten Wettbewerbsmarkt gelegt. Mit der Aufteilung des Netzes in Lose und dem Ausschluss des Zuschlags aller Lose an ein Unternehmen werden in der bundesweit beginnenden Phase der Öffnung des SPNV-Marktes mittelstandsfreundlichere Marktstrukturen angelegt, die perspektivisch auch regional stärker verankerten Unternehmen wirtschaftliche Chancen eröffnen.

Ausblick

Mit dem Zuschlag werden nicht nur Arbeitsplätze gesichert, sondern auch  durch die hohe Zugbegleiterquote mindestens 100 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region geschaffen.

Um die für einen reibungslosen und sozialverträglichen Betriebsübergang Verantwortlichen frühzeitig an einem Tisch zu versammeln, hat Minister Dellmann zu Gesprächen über ein Fairnessabkommen bei Personalübernahmen mit den beiden Verkehrsunternehmen und allen drei Eisenbahnergewerkschaften Transnet, GDL und GDBA eingeladen.

 

Letzte Aktualisierung: 04.08.2011