Workshop „Einzelhandel: Leerstand - Standorte - Steuerung"

Gegen Leerstand im Einzelhandel

Grüne Schilder mit Lagerverkauf auf der Straße Gemeinsam gegen Leerstand © Fotograf Erik-Jan Ouwerkerk

Am 9. November 2009 fand im MIL der Workshop „Einzelhandel: Leerstand - Standorte - Steuerung" statt, der auf eine sehr positive Resonanz bei den Teilnehmern gestoßen ist. Zu ihnen zählten Vertreter von Gemeinden, Landkreisen, den Industrie- und Handelskammern, des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, von Discountern und Vollsortimentern, des Wirtschaftsministeriums und der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung. Diese interdisziplinäre Zusammensetzung des Teilnehmerkreises ermöglichte einen intensiven Austausch über die Workshopthemen.

In Vorbereitung des Workshops wurde durch das Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) eine Befragung der Brandenburger Gemeinden zur Leerstandsproblematik durchgeführt. Diese ergab, dass bisher keine besorgniserregende Leerstandssituation in den Brandenburger Gemeinden zu verzeichnen ist. Der Leerstand stellt zwar ein Problem dar, führt aber (noch) nicht zu gravierenden Auswirkungen auf die Stadtentwicklung.

Was tun gegen Leerstand ?

Diskutiert wurde der Umgang von Städten und Handel mit dem Leerstand und was getan werden kann, um eine Zunahme zu verhindern. Es stellte sich die Frage, ob es strategischer Allianzen zwischen Einzelhandel und Stadt bedarf und wie das Zusammenwirken dieser beiden Partner verbessert werden kann. Hierbei zeigte sich, dass bislang noch zu wenig oder zu spät miteinander geredet wird. Entscheidungen sind dann oft schon gefällt oder im Verfahren. Dies betrifft insbesondere die Frage der Standortwahl, bei der eine enge Abstimmung von Kommune und Handel erforderlich ist, um Nutzungs- und Vermarktungsansprüche und das Ziel der Innenstadtstärkung in Einklang zu bringen. Von den Kommunalvertretern wurde zudem die unzureichende architektonische Qualität vor allem der Discountermärkte in Innenstadtlagen bemängelt. Auch hier wurde Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die für die Steuerung und Lenkung vorhandenen formellen und informellen Planungsinstrumente wurden allseits für ausreichend erachtet.

Zwischennutzungen geeignet ?

Dame vor Ladenzeile mit bunter AusstellwareVerkaufsaktionen © MIL

Die Möglichkeit von Zwischennutzungen in Leerstandsgebäuden wurde anhand von Positivbeispielen - die von kostenlosen Friseurdiensten (als Reklame für den eigentlichen Betrieb), über Verkaufsaktionen von ansonsten nur über Vertreter oder dem Internet erhältliche Produkte bis hin zu Kunst- und Musikevents reichten - diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass eine gewisse Skepsis bestand, inwieweit diese aus westdeutschen Städten und dem europäischen Ausland stammenden Beispiele auch auf Brandenburger Gemeinden übertragbar sind. Dessen ungeachtet wurde allgemein anerkannt, das durch Zwischennutzungen einem "Trading-Down-Effekt" entgegen gewirkt werden kann und dass in diese Richtung verstärkt Überlegungen angestellt werden müssen.

Partnerschaftliches Handeln !

Konsens war, dass Städte und Handel gemeinsam die Verantwortung für die Entwicklung der Innenstädte tragen. Nur in einem partnerschaftlichen Handeln von Einzelhandel und Städten kann die Lösung der jetzt und zukünftig anstehenden Probleme liegen. Davon ist eines der Leerstand, es betrifft aber auch Fragen des Stadtmarketings, der Standortwahl, der Mobilisierung von Brachen, des demografischen Wandels und der Stadtentwicklung insgesamt.

Zum Abschluss wurde eine positive Bilanz des Workshops und des damit eingeleiteten Dialogs gezogen. Von Kommunen und Handel wurde eine Fortsetzung für wichtig erachtet. Ein Themenschwerpunkt sollte dann auch der Leerstand von kleineren Ladengeschäften in den Innenstädten sein.