Entwicklungskonzeption für das Dorf Pretschen

Bereits im Jahr 1999 wurde in dem kleinen Spreewaldort Pretschen eine Dorfentwicklungskonzeption aufgestellt, dessen schrittweise Realisierung seit dem Jahr 2000 begann. Im Verlauf des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2012/2013, bei welchem Pretschen auf Bundesebene die Silbermedaille errang,  tauchten Fragen und Diskussionen auf, die im Dorf zu dem Entschluss führten, ein neues Dorfentwicklungskonzept in Auftrag zu geben.

Grafische Übersicht: Management-Bürgerhaus-Bürgerverein © Dr.H.Koch

Die intensive Beschäftigung vieler Pretschener Bürger mit der Wettbewerbsausschreibung führte zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit ihrem Dorf, ihrer Wirtschaft und Vereinslandschaft. Gründe, das alte Dorfentwicklungskonzept den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, ergaben sich vor allem durch:

  • den Zusammenschluss der Gemeinde Pretschen mit zwölf weiteren Dörfern zur Gemeinde Märkische Heide im Rahmen der brandenburgischen Gemeindegebietsreform 2003 und
  • aus dem Wandel der Wertmaßstäbe und folglich der politischen Prioritäten (Prinzip der Nachhaltigkeit, „Stärken stärken“, räumliche und sektorale Schwerpunktbildung).

Im Oktober 2013 entstand daraufhin ein neues Dorfentwicklungskonzept, welches an das vorherige Konzept anknüpft und dessen Inhalte präzisiert bzw. erneuert.

Verfahren

Nach dem erfolgreichen Wettbewerbsabschluss wurde auf gemeinsamen Sitzungen mit dem im Dorf aktiven Vereinen, Jugendlichen, Unternehmen und Gruppierungen über nächste Schritte zur konzeptionellen Weiterentwicklung des Dorfes beraten. Im Ergebnis einer Ausschreibung wurde ein erfahrenes Projektberatungsbüro mit der Ausarbeitung eines neuen Dorfentwicklungskonzeptes durch die Gemeinde Märkische Heide beauftragt, welches daraufhin in Zusammenarbeit mit einem lokalen Arbeitskreis, dem Pretschener Wirtschaftsstammtisch und einer Redaktionskommission den Plan entwickelte.

Anfangs wurde ein Leitbild erstellt, welches die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und privater Initiativen zum Inhalt hatte, mit dem Ziel, die Lebensumstände im Ort zu verbessern und somit die Zukunft des Dorfes als dauerhafter Wohn- und Arbeitsmittelpunkt zu sichern.

Ausgehend von diesem Leitbild wurden Entwicklungslinien und Handlungsfelder skizziert, die in ihrer Gesamtheit einen kommunalpolitischen Handlungsleitfaden bildeten. Dabei wurden Schwerpunkte vorhandener und gemeindlicher Planungsgrundlagen berücksichtigt und entsprechend ergänzt.

Das alte Dorfentwicklungskonzept konzentrierte sich im Rahmen der Dorferneuerung vor allem auf Vorhaben im Bereich Landschaft, Ortsbild und Verkehrsinfrastruktur. Im neuen Plan wurde auf die bereits bestehenden Vorhaben zurückgegriffen und in die Überlegungen mit einbezogen, soweit diese nicht bereits realisiert wurden.

Eines der Ziele bei der Ausarbeitung des Dorfentwicklungskonzeptes bestand darin, die vielen Ideen, die im Dorf-Wettbewerb zutage traten, einfließen zu lassen und somit ein größtenteils aus eigenen Kräften realisierbares Zukunftsprogramm zu erarbeiten. Um das zu erreichen wurde eine breitgefächerte Diskussion mit den verschiedenen Akteuren geführt. In den Diskussionsrunden wurde neben den einzelnen Entwicklungsbausteinen wie Landschaft, Bevölkerung, Ortsbild, Wirtschaft und Infrastruktur, gesondert auf den Punkt Entwicklungsmanagement eingegangen, weil dieser für die Schaffung einer selbstbestimmten Entwicklung des Ortsteils in eine Gesamtgemeinde eine große Bedeutung darstellte.

Aufbauend auf die Diskussionsergebnisse konnte ein Grobkonzept erstellt werden. Anschließend erfolgte eine Stärken-Schwächen Analyse und es wurden detaillierte Handlungsvorschläge für die  einzelne Bausteinen sowie Managementempfehlungen formuliert. Das daraus hervorgegangene Feinkonzept stellte die Abstimmungsgrundlage dar, welche von der Gemeinde im Oktober 2013 beschlossen wurde und daraufhin Gültigkeit erlangte.

Als informeller Plan ist das Dorfentwicklungskonzept eine Leitlinie für kommunales Handeln, entfaltet allerdings keine Bindungswirkung für private Bauherren, Eigentümer und Nutzer. Somit besteht zwar ein kommunaler Maßnahmenkatalog, allerdings müssen zur Umsetzung die einzelnen Projektideen zum geeigneten Zeitpunkt abgerufen und in einem Projekt-Maßnahmenplan und ggf. in rechtsverbindliches Verwaltungshandeln umgewandelt werden. Die formulierten Ziele und Leitlinien des Konzepts sind daher auf einen längerfristigen Zeitraum von ca. 20 Jahren gerichtet und stellen komplexe Zukunftsentwürfe dar.

Erfolgsfaktoren

Die Zusammenarbeit mit einem Projektberatungsbüro brachte die nötige fachliche Kompetenz mit ein, um das neue Konzept erfolgreich zu entwickeln. Des Weiteren wurde von Anfang an auf eine breite Bürgerbeteiligung geachtet. Dazu wurden mehrere Einwohnerversammlungen und Befragungen durchgeführt, dessen Resultate zu einem vielversprechenden Ergebnis beitrugen.

Wer hat mitgemacht?

Die eigentliche Konzepterarbeitung erfolgte in erster Linie durch ein Projektberatungsbüro, den Pretschener Wirtschaftsstammtisch einen Arbeitskreis zur Dorfentwicklung.

Die Mitglieder des im Dorf aktiven Heimatvereins beteiligten sich an Gesprächen und Überlegungen und halfen auch bei technischen und organisatorischen Angelegenheiten. Permanente Unterstützung erhielt man durch die Verwaltung der Gemeinde Märkische Heide, welche in jeder Phase des Vorhabens mitwirkte.

Die vielfachen Diskussionen über nächste Verfahrensschritte und Entwicklungsbausteine fanden statt in:

  • Gesprächsrunden zur Ermittlung von Prioritäten und Meinungen zu den einzelnen Bausteinen und zum ständigen Informationsaustausch mit Arbeitskreis, Wirtschaftsstammtisch und Ortsvorstand
  • Einzelgesprächen mit Unternehmern, Einwohnern, Jugendlichen,
  • Gesprächen mit Vereinsvorständen

Verfahrenszeitraum und Finanzierung

Die Entwicklung der Dorfentwicklungskonzeption dauerte von Mai bis Oktober 2013. Das Vorhaben wurde dabei durch das Programm zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) und LEADER  mit EU- und Landesmitteln unterstützt.