"Soziale Stadt" Cottbus Sachsendorf-Madlow

Die Große Wohnsiedlung in Cottbus Sachsendorf/Madlow steht seit dem Systemumbruch vor großen Herausforderungen. Ein Fünftel der Bewohner hat den Stadtteil verlassen. Um das Quartier städtebaulich und sozial zu stabilisieren, hat die Stadt mit Hilfe des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt begonnen, durch Um- und Rückbau sowie Vernetzung zivilgesellschaftlicher Akteure, stabile und selbsttragende Strukturen zu schaffen.

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Beispielhafte Beteiligungsaspekte

Seit den ersten Bewohnerversammlungen zu Beginn der Programmförderung gibt der Bürgerverein „Sachsendorf Madlow e.V.“ den Bewohnern im Gebiet in der Interaktion mit kommunaler Verwaltung und Stadtteilmanagement eine Stimme. Die zielgruppenspezifische Beteiligungsarbeit richtet sich speziell an benachteiligte Gruppen im Quartier. Als Grundlage für die Programmförderung wurde 2001 ein INSEK erarbeitet, das seit 2007 kontinuierlich fortgeschrieben wird. Projekte wie die Freiwilligenagentur und der integrative Gemeinschaftsgarten gehören zu den auch hier bewährten Methoden der Bewohneraktivierung.

Bemerkenswert für das Programmgebiet in Cottbus ist die Einrichtung eines Bürgerbeirats mit weitreichenden Entscheidungskompetenzen. Er kann bei bis zu 50 % der eingesetzten Mittel direkt mitentscheiden, wofür diese verwendet werden. Diese Möglichkeit des Bürgerbeirates zur Mitentscheidung geht im Vergleich weit über die im Rahmen des Programminstruments Verfügungsfonds eingeräumten Kompetenzen hinaus. Die Umsetzung sieht hierzu ein zweistufiges Verfahren mit Vorstellungs- und Entscheidungssitzungen vor.

Zum Verfahren

1998 verabschiedete die Stadtverordnetenversammlung eines Selbstbindungsbeschluss zur „Städtebaulichen Rahmenplanung Sachsendorf-Madlow“. Damit waren die Weichen gestellt, um 2000/2001 in zwei Bürgerversammlungen das Programm „Soziale Stadt“ vorzustellen und konkrete Maßnahmen zu diskutieren. Die Zukunft der Mieter in den von Abriss bedrohten Wohnungen war dabei zentrales Thema. Die Planungsentwürfe zur Umgestaltung wurden im Stadtteilbüro sowie in der Stadtpresse präsentiert. Es folgten Bürgerversammlungen und –workshops und Hauswurfsendungen mit Informationen. Startprojekt der sozialen Maßnahmen war der Umbau einer leerstehenden Kindertagesstätte zum Soziokulturellen Zentrum.

Mit der Ansiedlung der Programmverantwortlichkeit in der städtischen Bauverwaltung besteht ein direkter Draht zur Kommune. Die Beauftragung eines externen Büros mit der Prozesskoordination und Organisation öffentlicher Veranstaltungen hilft auch als Mediator bei Konfliktsituationen in der Mittelvergabe. Immerhin wird auf Grund der Entscheidungskompetenz des Bürgerbeirats über zum Teil hohe Summen entschieden. Das Votum des Bürgerbeirats gilt in manchen Fällen als Grundlage für Entscheidungen in der Stadtverordnetenversammlung. Im Prozess war eine Übertragung der Funktion des Moderators auf die Verwaltung bisher nicht umsetzbar.

Wer macht mit?

Die sich Ende der 1990er Jahre verschärfende Leerstandssituation ließ insbesondere die Wohnungsunternehmen mit den größten Beständen im Gebiet, eG Wohnen 1902 und Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH, Initiative ergreifen. Zentrale Akteure sind das Bauverwaltungs- und Wohnungsamt sowie das externe StadtBüro Hunger als Betreiber des Stadtteilmanagements. Nach Programmbeginn haben sich die Bewohner als Verein organisiert und arbeiten mit weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren wie der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH (DSK), der Freiwilligenagentur Cottbus und der Fachhochschule Lausitz zusammen.

Beteiligungszeitraum und Ressourcenaufwand

Der Cottbuser Stadtteil Sachsendorf-Madlow ist seit 1999 Programmgebiet „Soziale Stadt“. Schwerpunkte sind städtebauliche Maßnahmen wie Um- und Rückbau der Großwohnstrukturen im Gebiet sowie die Schaffung tragfähiger Sozialstrukturen. Seit 1997 ist der im Quartier befindliche Stadtteilladen Anlaufstelle für Bewohnerfragen und sozialer Treffpunkt.