Was bedeutet der Begriff „Resilienz“?

Das Erklärstück Nr. 7

Resilienz © MIL

Der Begriff „Resilienz“ (lateinisch resilire = zurückspringen; englisch resilience = Widerstandsfähigkeit, Elastizität) ist gerade dabei, die Nachhaltigkeit als Konzept abzulösen oder zumindest zu erweitern. Klimaforscher, Stadt- und Regionalplaner und Infrastrukturexperten arbeiten bereits damit.

Ein System ist resilient, wenn es einen Schock übersteht, sich selbstständig erneuert und aus Erfahrung lernt. Ein Schock kann ein plötzlich oder dauerhaft von außen einwirkendes Ereignis sein, eine Flut- oder Hitzewelle, aber auch ein Systemschock, wie zum Beispiel der Ausfall der Berliner S-Bahn. Der Begriff „Resilienz“ entstammt ursprünglich der Kinderpsychologie: Es gibt Kinder, die Schreckliches erlebt haben, ohne traumatisiert zu sein. Das ist bemerkenswert und diese Kinder wurden als resilient bezeichnet. Später griff die Klimafolgenforschung das Konzept auf: Die Staatengemeinschaft der Erde wird es absehbar nicht schaffen, den Klimawandel zu stoppen. Daran ändert auch die Einigung beim jüngsten Klimagipfel wenig. Also ist es nötig, sich auf die erwartbaren Folgen einzustellen und die Infrastruktur und Mobilitätssysteme resilient zu machen. Nur so können Flutwellen, Stürme oder Dürren überstanden werden.

Auch in Mobilitätsthemen hat Resilienz bereits Eingang gefunden: Das Projekt „Adaptation der Straßenverkehrsinfrastruktur an den Klimawandel" – kurz AdSVIS“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) beschäftigt sich mit „resilienten Infrastrukturen“. Auch die Bundesregierung bereitet sich mit der „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ auf neue Herausforderungen vor. Beides ist in der nebenstehenden Textbox "Externe Links" dargestellt.

Grund genug also zu fragen, ob der Begriff der Resilienz nicht auch in Konzepte und Strategien der Landesregierung einfließen sollte.

Unter Fachleuten gilt zum Beispiel der demografische Wandel als „Schock“ im Sinne der Resilienz. Das erschließt sich nicht sofort, ergibt aber gerade bei Mobilitätssystemen Sinn: Ein Bus in der Uckermark ist mit 50 Fahrgästen vielleicht noch wirtschaftlich, mit 49 nicht mehr. Fahrgastzahlen sinken aufgrund des demografischen Wandels sehr langsam, der wirtschaftliche Kollaps kommt aber plötzlich - eben wenn die Unwirtschaftlichkeitsgrenze überschritten wird.

Oder: Ein einseitiger „Modal Split“ – also die Verteilung der Menschen auf unterschiedliche Verkehrsmittel – ist nicht im Sinne der Resilienz. Sind die Menschen von einem Verkehrsmittel abhängig – zum Beispiel auf dem Lande vom Auto – geht nichts mehr, wenn zum Beispiel eine Ölkrise kommt. Können dann die Menschen auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen (Linien- und Rufbusse, Fahrgemeinschaften, Elektroautos oder Pedelecs) kann der Schock überstanden werden, ohne die Mobilität zu sehr einzuschränken. Das Mobilitätssystem wäre resilient.

Auch bei der Mobilitätsstrategie wäre also zu diskutieren, ob und wie der Begriff der Resilienz hier eine Rolle spielen sollte. Die Anstrengungen der Landesregierung, mit innovativen Konzepten die Mobilität auf dem Lande zu stärken, sind auf jeden Fall ein Beitrag, um resiliente Systeme zu entwickeln. Einige Beispiele sind in der nehenstehenden Textbox dargestellt.

Brandenburg hat also hier schon viel gleistet, um resiliente Strukturen aufzubauen. Ein Grund mehr, den Begriff der Resilienz in einer strategischen Planung aufzugreifen.