Stätte der Reformation ist Denkmal des Monats

Nikolaikirche im Winter © Jan-Erik Ouwerkerk

Jüterbog und seine Nikolaikirche spielten zu Beginn der Reformation eine bedeutende Rolle. Kein geringerer als Thomas Müntzer predigte hier die neue Lehre. Doch erst seit 1540 ist die Nikolaikirche ein evangelisches Gotteshaus. Ab diesem Zeitpunkt wird in der Stadt die freie Religionsausübung durch den Erzbischof nicht mehr behindert. 

Noch heute kann man in der Kirche den sogenannten Tetzelkasten sehen, eine nach dem Ablassprediger Johann Tetzel benannte riesige Geldkiste. Darin soll dieser mit dem Spruch „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ Geld gesammelt haben, mit dem sich Gläubige von ihren Sünden freikaufen konnten. Doch das Geld wurde zur Finanzierung des Petersdoms in Rom genutzt. Als immer mehr Gläubige aus Wittenberg für den Kauf von Ablassbriefen nach Jüterbog gingen, verfasste Luther aus Verärgerung darüber 1517 seine berühmten Thesen. Deshalb gilt ganz Jüterbog auch als „Stätte der Reformation“.

Die Nikolaikirche wurde erstmals im Jahr 1307 erwähnt. Zu dieser Zeit war es aber noch eine romanische Basilika. Die Kirche, so wie sie jetzt bekannt ist, wurde bis 1500 als dreischiffige Hallenkirche im spätgotischen Baustil errichtet. Markant ist die bis über die Stadtgrenzen sichtbare Doppelturmanlage mit ihren unterschiedlichen Spitzen. Der nördliche Turm ist ein Oktogon mit Haube aus dem Jahr 1617 und Laterne, der südliche Turm hat die Form eines Spitzhelmes.

Seit der Mitte der 1970er Jahre wird die Nikolaikirche mit großen Anstrengungen und finanziellem Aufwand einer denkmalpflegerischen Rekonstruktion unterzogen. Im Jahr 2010 wurden die Kirchtürme mit finanzieller Unterstützung in Höhe von 55.000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz saniert. 

Mit der Aktion Denkmal des Monats verschafft die Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen" dem architektonischen Erbe in Brandenburg mehr Aufmerksamkeit. Die AG hat seit ihrer Gründung 1992 dazu beigetragen, das Bild ihrer Mitgliedstädte positiv zu verändern und die Innenstädte neu zu beleben. Wertvolle Bausubstanz konnte so erhalten werden.