Fachveranstaltung zur besonders erhaltenswerten Bausubstanz

Diskussionsrunde © MIL

Fragen, wie „Wie gelingt die energetische Sanierung unseres Baubestands, ohne die Stadt- und Ortsbilder mit ihren baukulturellen Qualitäten zu beeinträchtigen?“ und „Wie können Kommunen die Gebäudeeigentümer ansprechen und aktivieren?“ standen im Mittelpunkt der MIL-Fachveranstaltung und wurden dort mit dem speziellen Fokus auf die besonders erhaltenswerten Bausubstanzen, für die Sonderregelungen im Energieeinsparrecht greifen, diskutiert.

Innerhalb der drei Themenblöcke der Veranstaltung wurde das Spannungsfeld zwischen baukulturellen und energetischen Aspekten im Umgang mit besonders erhaltenswerter Bausubstanz unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. Während im ersten Themenblock Vorgaben und Ansatzpunkte auf Bundesebene sowie Praxisbeispiele vorgestellt wurden, standen in den beiden anderen Blöcken vor allem kommunale Handlungsstrategien und -ansätze im Vordergrund. Alle Themenblöcke boten zudem durch abschließende Gesprächsrunden ausreichend Raum für Nachfragen und Diskussionen zwischen Vortragenden und Teilnehmenden.

Im Rahmen des ersten Themenblocks führte zunächst Herr Drost von der complan Kommunalberatung, die auch das Gutachten zur besonders erhaltenswerten Bausubstanz in Brandenburg erstellt hat, in das Thema ein. Neben der Ausnahmeregelung in der EnEV und Möglichkeiten der Förderung über die KfW stellte er das in der kommunalen Arbeitshilfe des Bundes vorgeschlagene Vorgehen zum „Erkennen und Erfassen“, „Regeln und pflegen“ sowie „Erklären und vermitteln“ von besonders erhaltenswerter Bausubstanz vor. Herr Drost informierte zudem darüber, dass die kommunale Arbeitshilfe derzeit in einem „Praxistest“ auf Bundesebene evaluiert wird.

Im Anschluss berichteten Frau Klempnow, Vorstandssprecherin des Deutsches Energieberater-Netzwerk e.V. und Energieberaterin für Baudenkmale, und Frau Hasler, Architektin und Energieberaterin für Baudenkmale, über den Umgang besonders erhaltenswerter Bausubstanz in der Praxis. Neben einigen Beispielen für qualitätsvolle Sanierungen stellten sie die Akteurskonstellation bei entsprechenden Vorhaben dar und beleuchteten insbesondere die Rolle von Energieberatern und Energieberaterinnen bzw. beratenden Architektinnen und Architekten sowie Ingenieuren und Ingenieurinnen. Sie betonten dabei, dass vor allem die frühzeitige Einbindung dieser Fachleute wichtig sei, um gute Lösungen bei der Sanierung zur erarbeiten und umzusetzen.

Die folgenden zwei Themenblöcke wurden jeweils von zwei Impulsbeiträgen aus Kommunen eingeleitet, die bereits bei der Erarbeitung des Gutachtens eingebunden waren. Sie stellten mögliche, geplante oder bereits in der Umsetzung befindliche kommunale Strategien und Handlungsansätze unter verschiedenen Gesichtspunkten vor.

Der erste der beiden Themenblöcke behandelte den kommunalen Umgang mit „besonders erhaltenswerter Bausubstanz“. Dort berichteten Herr Dr. Heinrich (Prenzlau) und Herr Bock (Frankfurt/Oder) über Möglichkeiten und Vorhaben, die „besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ in kommunale Konzepte (z. B. INSEK) sowie ins kommunale Handeln zu integrieren. Im letzten Themenblock stellten Herr Tutsch (Gransee) und Herr Berge (Jüterbog) Ideen vor, wie Eigentümer und Eigentümerinnen für baukulturelle Qualitäten ihrer Gebäude sensibilisiert bzw. für die behutsame Sanierung dieser Gebäude motiviert werden können.

Im Anschluss an die Impulsbeiträge wurden im Rahmen von Tischgesprächen mit den jeweiligen kommunalen Vertreter sowie weiteren Praktikerinnen und Praktikern die vorgestellten Impulse diskutiert und vertieft sowie weitere inhaltliche Aspekte des jeweiligen Themenblocks aufgegriffen. Auch das Auditorium konnte sich durch Nachfragen sowie eigene Beiträge und Erfahrungen in die Gespräche einbringen.

Insgesamt bot die Fachveranstaltung den knapp 50 Teilnehmenden (darunter vor allem Vertreter und Vertreterinnen aus Kommunen sowie Praktikerinnen und Praktiker aus den Bereichen Stadtplanung und Sanierungs- und Klimaschutzmanagement) einen umfassenden Überblick über den aktuellen rechtlichen Rahmen für den Umgang mit besonders erhaltenswerten Bausubstanz, über kommunale Gestaltungsmöglichkeiten sowie über Ansätze und Umsetzungsbeispiele für die energetische Sanierung dieser Gebäudebestände.

Das Veranstaltungsprogramm sowie die Vorträge alle Referenten finden Sie rechts unter „Anlagen“.