Jugend(t)räume enden nicht an kommunalen Grenzen

Mit Kunst und ministerieller Unterstützung für mehr Mobilität in Brandenburg

© Kiki Gebauer, www.welt-weit-wasserzeichen.de

Seltsame Objekte erobern den Norden Brandenburgs:

Lebensgroße weiße Kuben mit roten Pfeilen bewegen sich durch Neustadt und Kyritz, stören den Straßenablauf, verweilen vor Bahnhöfen. Die Kuben sind Konzept der Berliner Künstlerin Kiki Gebauer, gebaut und bewegt werden sie von Schülern und ihrem Lehrer  der Prinz-von- Homburg-Schule, die damit auf den Mobilitätsverlust im ländlichen Raum aufmerksam machen.

Die Jugendlichen in dieser Region sind stark betroffen von dem immer defizitäreren Angebot des öffentlichen Nahverkehrs. Zu den Bahnhöfen der Region kommen sie bisher noch, aber zu ihren Dörfern, die oft 15 - 20 km entfernt liegen, gibt es nach dem letzten Schulbus gegen 16:00 Uhr keine Möglichkeit mehr, sich mit Hilfe von ÖPNV-Verbindungen zu bewegen. Sie können zu keinem Treffen der Jugendfeuerwehr, zu keinem Sporttraining oder zu Sportveranstaltungen, zu keinem Gitarrenunterricht, zu keinem Jugendzentrum, Kirchenkreis geschweige denn abends zur Disco oder auch einfach nur nach Hause.

Unterstützung erhalten die Jugendlichen dabei von dem Projekt JugendMobil, einem Förderprojekt des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer  beim Bundesinnenministerium (BMI) und der Verkehrsabteilung des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg.

Mobilitäts-Kunstaktion der Bundesstiftung Baukultur

Ausgelobt wurde die Kunstaktion von der Bundesstiftung Baukultur für den am 17. und 18. Juni in Hamburg tagenden Baukonvent 2012 zum Thema Verkehr, Motto „STATTVERKEHRSTADT“. Hierzu wurden 12 bundesweit stattfindende Aktionen in einem Wettbewerbsverfahren ausgewählt, die auf dem Konvent per Video präsentiert werden. Kiki Gebauer, Berliner Künstlerin, gewann diesen Wettbewerb für die Kleeblattregion. Gebauer ist bekannt durch ihre raumgreifenden Installationen, den fiktiven überdimensionalen Verkehrszeichen an Wasserstraßen in Berlin (Spree) und dem schottischen Edinburg.

Kunst-Aktions Route 15. Juni  2012  -  Start um 10:30 Uhr

auf dem Netto-Parkplatz, Poststraße 3 in  Neustadt/Dosse. Von da bewegen die Schüler die Kuben zum Bahnhof, einem verfallenen klassizistischen Bau und dem direkt angeschlossenen Bus-Bahnhof mit 3 Bahnsteigen, an denen nur selten ein Bus hält. Die Kunstobjekte werden auf einen Hänger geladen, der sie ins 12 km entfernte Kyritz, dem Mittelzentrum der Region mit allen weiterführenden Schulen, Krankenhaus, Ämtern, Freizeiteinrichtungen etc. bringt. Dort werden die Kuben am Bus-Bahnhof entladen und von den Schülern durch die Stadt zum Marktplatz und Rathaus bewegt, wo sie der Öffentlichkeit und der Bürgermeisterin ihre Ideen zu JugendMobil vorstellen möchten.