Archäologisches Großprojekt BAB 14

Erste Funde auf der Baustelle

© Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege

Slawischer Brunnen und Verzierter Feuerbock

Bei der Planung einer Straße besteht generell die Verpflichtung, die für Natur- und Landschaftsschutz zuständigen Behörden zu beteiligen. Und nicht nur diese. An einer Planung sind immer verschiedene Behörden/Institutionen bzw. Dritte zu beteiligen. So ist auch immer die Denkmalfachbehörde zu beteiligen. Die Denkmalfachbehörde fertigt eine schriftliche Stellungnahme an, aus der ersichtlich wird, welche Denkmale in der zukünftigen Maßnahmeplanung berücksichtigt werden müssen. So konnten auch erste Funde beim Großprojekt BAB 14 gesichert werden, wie folgender Artikel des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum zeigt.

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Archäologisches Großprojekt BAB 14 – erste Ergebnisse

Sabine Eickhoff und Elisabeth Kirsch, Wünsdorf
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Referat Großvorhaben/Sonderprojekte Wünsdorfer Platz 4-5
15806 Wünsdorf 

Seit Mitte des Jahres 2012 finden im Auftrag der DEGES archäologische Untersuchungen im Vorfeld des geplanten Baus der BAB 14 (VKE 1155) statt. Auf dem von Stavenow im Süden bis Groß Warnow im Norden reichenden Bauabschnitt sind zahlreiche Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) tätig. Es zeigt sich, dass die heutzutage hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Gegend von der Jungsteinzeit bis zum hohen Mittelalter immer wieder besiedelt wurde.

Bei Groß Warnow deuten Reste von Steinkistengräbern sowie Keramikfunde auf einen Bestattungsplatz. Hier haben Leute der nach ihrer Gefäßform benannten Trichterbecherkultur um 3.500 v. Chr. ihre Toten beigesetzt (Abb. 1 - Anlage). Die Knochenerhaltung war in dem Sandboden jedoch so schlecht, dass keine menschlichen Überreste geborgen werden konnten. Denselben Platz nutzte ca. 4.000 Jahre später eine uns als Germanen bekannte Bevölkerung für ihre Urnenbestattungen. Eventuell war das ältere Gräberfeld noch als solches erkennbar und wurde daher erneut belegt.

In unmittelbarer Nähe des Bestattungsplatzes bestand im ersten Jahrtausend v. Chr. – während der so genannten vorrömischen Eisenzeit – ein Siedlungsplatz. Zahlreiche Speichergruben, Feuerstellen und Reste der alltäglichen Gebrauchskeramik blieben erhalten. Auch dieser Ort wurde Jahrhunderte später um 900/1.000 n. Chr. erneut genutzt: die damalige slawische Bevölkerung legte einen Brunnen an, um die Wasserversorgung in ihrer Siedlung zu sichern (Abb. 2 - Anlage). Vielleicht bringen die Untersuchungen im Jahr 2013 auch Reste der Wohnstätten derjenigen Bevölkerungsgruppen, die auf dem Gräberfeld vertreten sind, ans Tageslicht.

In der Gemarkung Garlin wurde der Teilbereich einer frühmittelalterlichen slawischen Siedlung erfasst und bei Karstädt, direkt an der Löcknitz, ein großer Teil eines mehrperiodigen Siedlungsareals. Ähnlich wie in Groß Warnow wurde hier von der späten Jungsteinzeit über die Bronze- und frühe Eisenzeit bis in die römische Kaiserzeit gesiedelt. Der Großteil der Funde und Befunde, darunter auch ein Feldsteinbrunnen (Abb. 3 - Anlage), gehört der frühen Eisenzeit an. Als besondere Funde sind Bruchstücke von verzierten Feuerböcken (Abb. 4 - Anlage) und eine Schale mit Innenrandhenkel zu erwähnen, die Kontakte nach Norddeutschland und Dänemark nahe legen. Herausragend ist ein Armreif aus Sapropelit (aus Faulschlamm gebildetes Gestein), der leider nur zur Hälfte erhalten war (Abb. 5 - Anlage).

Dieser belegt den Austausch mit der sog. Latène-Kultur des mittel- und süddeutschen Raumes. Eine Überraschung war der Fund von Glockenbechern in einer Grube (Abb. 6 - Anlage). Vermutlich handelt es sich um ein Grab der späten Jungsteinzeit, wobei auch hier keine Knochen erhalten geblieben sind.

Etwas weiter südlich befindet sich in der Gemarkung Stavenow ein weiterer Siedlungsplatz mit einem großen, aus zylindrischen Gruben bestehenden Speicherareal. Diese sind typisch für die späte Bronze- bzw. frühe Eisenzeit (Abb. 7 - Anlage). Auch dieser Ort wurde etwa 2.000 Jahre später erneut aufgesucht: Pfosten- und Vorratsgruben, Feuerstellen sowie Reste eines Kastenbrunnens können anhand ihres Fundmateriales in das slawische Mittelalter datiert werden.

Die bisherigen archäologischen Untersuchungen erbrachten neben teilweise außergewöhnlichen Befunden und seltenen Funden bereits überraschende Erkenntnisse über Handelsverbindungen in den Norden und Süden, die über die nur etwa 20 km entfernte Elbe verliefen und auf der Löcknitz weitergeführt wurden. Seit Anfang März 2013 werden die Ausgrabungen in großem Umfang fortgesetzt. Es ist zu erwarten, dass die Untersuchungen unsere Kenntnisse über die Lebensumstände der einstigen Bevölkerungsgruppen in der nördlichen Prignitz erheblich erweitern werden.