Stadtentwicklung nachhaltig gestalten

Stadtbrache in Burg © MIL

Nachhaltige Stadtentwicklung ist eine Querschnittsaufgabe, die sich nicht auf die Bausubstanz allein beschränkt. Der städtische Raum soll insgesamt so gestaltet werden, dass keine sozialen Nachteile entstehen, die natürlichen Lebensgrundlagen geschützt werden und unter Beachtung des Lebenszyklusprinzips kostengünstig gebaut wird.

Flächenverbrauch reduzieren, Innenstädte entwickeln

Je weniger Flächen durch Baumaßnahmen versiegelt werden, umso mehr Natur und Umwelt bleiben erhalten. Es gilt daher, den Flächenverbrauch einzugrenzen. Die Verdichtung der Innenstädte ist einer Außenentwicklung grundsätzlich vorzuziehen. Neubaugebiete am Stadtrand verbrauchen in der Regel unbebaute Freiflächen. Eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung ist daher bestrebt, bestehende Stadtstrukturen zeitgemäß fortentwickeln.

Dabei muss insbesondere auch die Mobilität aller Bewohner erhalten bzw. verbessert werden. Hierzu bedarf es insbesondere einer integrierten Verkehrsplanung, die den individuellen und öffentlichen Verkehr in gleicher Weise berücksichtigt. 

Vom ökologischen zum nachhaltigen Bauen

Das ökologische Bauen hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Lange Zeit als Spielwiese von Idealisten oder bestenfalls als Nischenmarkt abgetan, ist es heute aus dem Mainstream der Bauplanung und -ausführung nicht mehr wegzudenken. Dahinter steht die Einsicht, dass die natürlichen Ressourcen begrenzt sind und daher rücksichtsvoll mit ihnen umgegangen werden sollte. Ausdruck dieser Erkenntnis sind insbesondere Gesetze und Verordnungen, die eine Reduzierung des Energieverbrauches bewirken sollen.

Das gestiegene Umweltbewusstsein ist aber nicht der einzige Grund für die Attraktivität des Nachhaltigen Planens und Bauens. Ebenso wichtig sind der Wunsch nach einem Wohnen und Arbeiten in gesunder Umgebung, die Vermeidung von emittierenden Bauprodukten und die Besinnung auf natürliche, nachwachsende Baustoffe.

Nachhaltigkeit bedeutet, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Beim Nachhaltigen Bauen ist der Umweltnutzen somit nur eine von mehreren Kriterien. Je nach Projekt kann es vorrangig um die Werterhaltung bzw. -steigerung gehen, um die Schimmelvermeidung oder um eine barrierefreie Modernisierung, die ein Verbleiben in Haus oder Wohnung auch im Alter ermöglicht.

Die Entscheidung für eine nachhaltige Bauweise kann schon kurzfristig finanzielle Vorteile bringen, zum Beispiel durch niedrige Betriebskosten. Gleichzeitig bedeutet dies auch eine Weichenstellung bezüglich der Qualitätskriterien wie Energieverbrauch, Behaglichkeit und Schadstofffreiheit. Diese Faktoren werden zukünftig für den Werterhalt von Gebäuden eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.

Nachhaltiges Bauen ist also eine Fortsetzung des ökologischen Bauens unter Einbeziehung ökonomischer und sozialer Kriterien.

Nachhaltige Planung: Neu bauen oder Bestand sanieren?

Die Revitalisierung der Städte und Dörfer ist ein wichtiger Aspekt des nachhaltigen Planens und Bauens. Am Anfang einer Planung sollte daher immer die Frage stehen, ob eine Sanierung eines Bestandsgebäudes möglich und sinnvoll ist. Mit einer Sanierung wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der bereits verbauten Ressourcen (sogenannte „graue Energie“) geleistet und einem weiteren Flächenverbrauch entgegengewirkt. Neben dem Erhalt bestehender Bausubstanz sollte immer auch das Umfeld betrachtet werden. Das kulturelle Angebot, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, ein bestehendes Ver- und Entsorgungsnetz, Anbindung an den ÖPNV sowie vorhandene soziale Strukturen (z. B. Kindergarten und Schule) können für die Sanierung eines Bestandsgebäudes sprechen. Nur wenn die Sanierung eines Bestandsgebäudes nicht möglich ist, sollte ein Neubau in Betracht gezogen werden.

Aber: Egal wie die Entscheidung ausfällt, die Grundsätze des Nachhaltigen Bauens gelten für Sanierung und Neubau gleichermaßen.

Gebäudeplanung

a) Planungsgrundsätze

Während beim konventionellen Bauen das Hauptaugenmerk der Planungsarbeit auf der architektonischen Gestaltung, Energieeinsparung und Kostenoptimierung liegt, sind beim Nachhaltigen Planen und Bauen darüber hinaus die Kriterien Nutzung, Betrieb und Abriss bzw. Recycling von Bedeutung.

Betrachtet man den Lebenszyklus von Gebäuden, so berücksichtigt die konventionelle Planung einen nur sehr kleinen Abschnitt, nämlich die Bauphase. Das nachhaltige Planen muss aber den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes in den Blick nehmen. Es beginnt bei der Produktion der Baustoffe, umfasst die Gebäudeerstellung sowie  die Nutzung und abschließend die (Wieder-)Verwertung des Gebäudes. Im Idealfall werden alle Produkte im Kreislauf einer gleichwertigen Wiederverwendung zugeführt. Die Gebäude und/ oder die Bauprodukte bilden somit einen Lebenszyklus.

Eine Auseinandersetzung mit Fragen der Energiebilanz, Umweltverträglichkeit und Wiederverwendung geht der Auswahl der Baustoffe und Bauprodukte voran. Eine enge Zusammenarbeit der Planer (Architekt, Tragwerksplaner, Haustechniker, etc.) und der Nutzer während des Planungsprozesses ist die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Realisierung.

b) Gebäudeform

Die ökologische Optimierung kann die Form des Gebäudes stark beeinflussen. Als wichtigste Faktoren gelten folgende Punkte:

  • Gebäudegeometrie (Außenfläche/Volumen, Keller, Belichtung)
  • Gebäudeausrichtung (Sonne, Wind, Verschattung)
  • Bautechnische Energieoptimierung (Wärmedämmung, -speicherung)

c) Bauprodukte

Je höher der Bearbeitungsgrad eines Rohstoffes ist, desto höher der Energieeintrag und desto schlechter die Energiebilanz des Bauprodukts. Je weiter ein Rohstoff von seinem Ursprungszustand entfernt wird, mit Zusatzstoffen versehen, mit anderen Materialien kombiniert, desto größer ist das Risiko, dass Schadstoffe enthalten sind. Damit wird Recycling schwierig und es kann eine zusätzliche Belastung für die Umwelt entstehen. Außerdem: je weiter ein Bauprodukt zur Baustelle transportiert muss, desto schlechter ist seine Energiebilanz.

Alle Baustoffe, die möglichst wenig bearbeitet, also naturnah, sind und möglichst dicht an der jeweiligen Baustelle gewonnen werden können, sind unter ökologischen Entscheidungskriterien vorzuziehen.

d) Innenräume

Wesentliche, die Wohnraumbehaglichkeit beeinflussender Faktoren sind:

  • Raumluftqualität Temperatur
  • Relative Raumluftfeuchte
  • Luftgeschwindigkeit
  • Akustik
  • Ästhetik

In der Regel erfüllen Naturbaustoffe oder wenig behandelte Bauprodukte die Anforderungen an Nachhaltigkeitskriterien besonders gut.

e) Raumluftqualität

Da sich die Raumluft in Abhängigkeit von Nutzung und Jahreszeit ändert (Temperatur, relativer Luftfeuchte, Geruch, usw.) muss das optimale Bauprodukt diese Schwankungen ausgleichen.

Ein Großteil der in der Raumluft befindlichen Schadstoffe, Ausdünstungen oder sogar Gifte, die von Baumaterialien emittiert werden, sind produktionsbedingte Inhaltsstoffe. Wenig oder gar nicht behandelte Naturbaustoffe geben wenig oder gar keine Schadstoff in die Raumluft ab. Im Gegenteil, der natürliche Geruch von Holz, Naturölen und -farben wird meist als angenehm empfunden. Weiterhin ist eine der wesentlichen Eigenschaften beispielsweise von Lehm, die Fähigkeit, in Wasserdampf gelöste Schadstoffe zu absorbieren.

Termine

  • 26.04.2018 - Beratung mit den Planungsamtsleitungen