Straßenbauverwaltung hat Neuland betreten

Ein Funktionsbauvertrag für die Ortsumgehung Kuhbier

Verkehrsfreigabe Ortsumgehung Kuhbier © LS

Die B 189 ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im westlichen Brandenburg. Der Ausbau der Straße von Wittenberge bis Pritzwalk gehört seit langem zu den prioritären Straßenbauvorhaben. Einige Streckenabschnitte der B 189 sind bereits modernisiert. Ein neuralgischer Punkt war aber bisher die Ortsdurchfahrt Kuhbier, eine typische Ortschaft mit einer schmalen Fahrbahn, ohne Nebenanlagen und mittlerweile äußerst schadhafter Pflasterung. Die damit zusammenhängenden stetigen Lärm- und Erschütterungsbelastungen durch den Schwerverkehr haben zu massiven Bürgerprotesten geführt.

Eine Ortsumgehung Kuhbier war bereits seit langem in den Bundesfernstraßenbedarfsplan eingestellt. Es bestand dringender Handlungsbedarf, diese Ortsumgehung jetzt zu bauen. Schon Ende 2013, innerhalb nur eines Jahres, konnte die neue Straße für den Verkehr frei gegeben werden und die Ortsdurchfahrt Kuhbier insbesondere vom Schwerverkehr entlasten. Mit diesem Projekt hat die brandenburgische Straßenbauverwaltung Neuland betreten.

Funktionsbauvertrag für die Ortsumgehung KuhbierNeues Fenster: Bild vergrößernBauwerk 2 mit Regenrückhaltebecken © LSUm Kosteneinsparungen zu erzielen und langfristig eine hohe Qualität der Straßen- und Ingenieurbauwerke zu erreichen, hatte der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg die Machbarkeit untersucht, die Ortsumgehung und die anschließende freie Strecke der B 189 mittels eines Funktionsbauvertrages umzusetzen. Im Ergebnis einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchung konnte eine betriebswirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der Variante Funktionsbauvertrag gegenüber einer konventionellen Realisierung ermittelt werden. Dabei wurden die Kosten für Bau, Erhaltung, Unterhaltungsleistungen des Betriebsdienstes, Planung und Management über einen Zeitraum von 30 Jahren betrachtet.

Bundesweit erstmalig konnten alle Gewerke in einem Funktionsbauvertrag für eine Bundesstraßen-Neubaumaßnahme vereint werden: Straßenbau mit Funktionsbauvertrag für die Ortsumgehung KuhbierNeues Fenster: Bild vergrößernInsgesamt sind drei Brückenbauwerke neu zu errichten © LSErdbau, Entwässerung, Straßenausstattung, landschaftspflegerischen Maßnahmen im trassennahen Bereich (u. a. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und 3jährige Entwicklungspflege). Mit der Neubaustrecke der B 189 sind auch drei Brückenbauwerke neu zu errichten.

Für das Bauvorhaben mit einer Länge von ca. 3,6 km wurde ein europaweites Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb durchgeführt. Im Dezember 2012 konnte der Vertrag unterzeichnet werden, der auf eine Laufzeit von 30 Jahren ausgelegt ist. Die baulichen Anlagen – die B 189 mit Wartungszufahrten, Straßenausstattung, Straßenentwässerung, Regenrückhaltebecken mit Zufahrtswegen, drei Bauwerken und Unterhaltungswegen – gehen nach Fertigstellung in die Erhaltungspflicht des Auftragnehmers über.

Funktionsbauvertrag für die Ortsumgehung KuhbierNeues Fenster: Bild vergrößernTrasse B 189 vom Bauwerk 1 in Richtung Bauanfang © LSBisher hat sich gezeigt, dass diese Form der Vertragsgestaltung und des Vergabeverfahrens innovative Vorschläge zur Bauausführung sowohl in technischer Hinsicht als auch mit Blick auf eine sehr kurze Bauzeit begünstigt. Zwar war das Vergabeverfahren langwieriger und hat mehr Kapazitäten der brandenburgischen Straßenbauverwaltung gebunden, aber die erwarteten Vorteile eines solchen Vertrages sind bisher eingetreten. Positiv auffällig war der Bauablauf - an allen Bauwerken wurde zeitgleich gearbeitet und die Straßendeckschicht aus lärmarmem Gussasphalt wurde besonders sorgfältig ausgeführt.

Im Jahr 2014 hat die Erhaltungsphase begonnen. Für die Straßenbauverwaltung ist der Aufwand gering. Bei den jährlichen visuellen Zustandskontrollen sind bisher keine Schäden oder Mängel festgestellt worden.